79 PS. 20 Liter Kraftstoff. 265 mm Federweg. 21/18 Zoll. Und ein Konzept, das sich ganz bewusst an erfahrene Offroad- und Rally-Fahrer richtet.
Mit der neuen KTM 690 RALLY 2027 bringt KTM ein Motorrad zurück, auf das viele Adventure- und Rally-Fans lange gewartet haben. Die Basis liefert die aktuelle KTM 690 ENDURO R – doch aus ihr wurde kein Adventure-Bike mit größerer Scheibe und ein paar zusätzlichen Verkleidungsteilen.
Die 690 RALLY verfolgt ein deutlich spezielleres Konzept: große Reichweite, möglichst viel Bewegungsfreiheit im Gelände, echtes Enduro-Fahrwerk und ein Rally-Cockpit, das technisch und optisch sehr nah an KTMs Wettbewerbsmotorrädern liegt.
KTM selbst bezeichnet sie als spirituelle Nachfolgerin der legendären KTM 640 ADVENTURE. Und genau diese Einordnung trifft den Charakter des Motorrads ziemlich gut.
Der LC4: 692,7 cm³, 79 PS und 73 Nm
Im Zentrum arbeitet die aktuelle Generation des KTM LC4-Einzylinders. Der flüssigkeitsgekühlte Viertakt-Single kommt auf 692,7 cm³ Hubraum, 79 PS und 73 Nm Drehmoment. Die Kraftübertragung übernimmt ein 6-Gang-Getriebe, die Motorsteuerung erfolgt über ein Keihin-EMS mit Ride-by-Wire und Doppelzündung.
Damit bekommt die Rally keinen speziell heruntergeregelten Reisemotor, sondern die volle Performance der aktuellen LC4-Plattform.
Gerade im Rally- und Offroad-Einsatz ist diese Kombination interessant. Statt der Leistung eines großen Zweizylinder-Adventure-Bikes trägt die 690 wesentlich weniger Masse durchs Gelände und bietet gleichzeitig genug Reserven für schnelle Schotterpassagen und längere Verbindungsetappen.
KTM gibt für den LC4 außerdem einen Ölwechselintervall von 15.000 Kilometern an. Das zeigt, dass die 690 RALLY trotz ihrer Rally-Ausrichtung nicht als reines Competition-Bike gedacht ist, sondern ausdrücklich auch für lange Distanzen entwickelt wurde.
20-Liter-Tanksystem: mehr als einfach nur ein größerer Tank
Eines der entscheidenden Merkmale der 690 RALLY sitzt weit vorne am Motorrad.
Zusätzlich zum hinteren Tank verfügt sie über zwei Fronttanks mit zusammen rund sieben Litern Volumen. Gemeinsam mit dem hinteren Tank ergibt sich eine Gesamtkapazität von ungefähr 20 Litern.
Interessant ist dabei nicht nur die zusätzliche Reichweite, sondern auch die Kraftstoffverteilung.
Beim US-Modell beschreibt KTM ein eigenes Kraftstoffmanagement, über das der Fahrer per Schalter am Lenker zwischen Front- und Hecktank wählen kann. Auch die Reserveanzeige orientiert sich dabei am aktuell gewählten Tank.
Für erfahrene Rally-Fahrer ist das ein wichtiger Punkt: Kraftstoff ist Gewicht. Und wo dieses Gewicht am Motorrad sitzt, verändert das Fahrverhalten deutlich. Die zusätzlichen Fronttanks sind daher nicht nur ein Mittel für mehr Reichweite, sondern Teil des gesamten Rally-Konzepts.
Rally Tower statt Adventure-Verkleidung
Auch am Cockpit wird klar, worauf KTM abzielt.
Die 690 RALLY bekommt einen eigenen Rally Tower mit integriertem Windschild. Dieser soll vor allem bei höheren Geschwindigkeiten und langen Verbindungsetappen den Winddruck reduzieren.
Dazu kommt ein 4,2-Zoll-TFT-Display, über das unter anderem Fahrmodi, Fahrzeuginformationen und Navigationsfunktionen dargestellt werden können.
Das Cockpit bleibt dabei bewusst kompakt. Im Gelände muss der Fahrer über das Display hinweg möglichst früh erkennen können, was direkt vor dem Vorderrad passiert.
Ein weiteres interessantes Detail sind die LED-Leuchten. Laut KTM stammt deren technische Ausrichtung von der KTM 450 RALLY REPLICA ab.
Damit wird die Nähe zum KTM-Rallysport zumindest an dieser Stelle sehr konkret.
Elektronik – vorhanden, aber fürs Gelände gedacht
Eine moderne Rally-Enduro muss heute zwei unterschiedliche Anforderungen unter einen Hut bekommen: Sie soll auf Asphalt sicher und komfortabel funktionieren, darf dem Fahrer im losen Gelände aber nicht permanent dazwischenfunken.
Die 690 RALLY besitzt deshalb die Fahrmodi Street und Offroad. Zusätzlich bietet KTM einen optionalen RALLY Mode an. Hier lassen sich Traktionskontrolle und Gasannahme stärker an Fahrer und Untergrund anpassen.
Über einen 6D-Sensor werden außerdem Kurven-ABS und die schräglagenabhängig arbeitende Motorcycle Traction Control unterstützt.
Besonders interessant für ambitionierte Offroad-Fahrer ist Dynamic Slip Adjust im RALLY Mode. Erkennt das System, dass mehr Schlupf erforderlich ist, kann es temporär mehr Hinterradschlupf zulassen und danach wieder zur zuvor gewählten Einstellung zurückkehren.
Auch beim ABS bleibt KTM konsequent: Im OFFROAD ABS lässt sich die ABS-Regelung am Hinterrad deaktivieren, während vorne weiterhin ABS-Unterstützung vorhanden ist. Zusätzlich gibt es eine Möglichkeit, ABS komplett abzuschalten.
Wer auf losem Untergrund bewusst mit blockierendem Hinterrad arbeitet, bekommt damit die nötige Freiheit.
WP XPLOR mit 265 mm Federweg vorne
Beim Fahrwerk wird es für die Zielgruppe richtig interessant.
Vorne arbeitet eine 48-mm-WP-XPLOR-USD-Gabel mit 265 mm Federweg. Druck- und Zugstufendämpfung können eingestellt werden.
Hinten kommt ebenfalls ein WP-XPLOR-Federbein mit Pro-Lever-Umlenkung zum Einsatz. Der Federweg beträgt 250 mm. Einstellbar sind Federvorspannung, Zugstufe sowie High- und Lowspeed-Druckstufe.
Das ist ein entscheidender Unterschied zu vielen klassischen Reiseenduros. Hier steht nicht maximaler Komfort auf Asphalt im Mittelpunkt, sondern die Möglichkeit, das Fahrwerk tatsächlich an Fahrergewicht, Gepäck, Geschwindigkeit und Untergrund anzupassen.
Wer mit Setup arbeitet, kann beispielsweise Highspeed-Compression für harte, schnelle Schläge anders abstimmen als die Lowspeed-Dämpfung für langsamere Lastwechsel.
Genau an solchen Details erkennt man, für wen dieses Motorrad gebaut wurde.
21/18 Zoll – natürlich
Bei den Rädern macht KTM keine Experimente.
Vorne sitzt eine 21-Zoll-, hinten eine 18-Zoll-Speichenradkombination mit Aluminiumfelgen. Die Felgengrößen gibt KTM mit 1,85 x 21 Zoll beziehungsweise 2,50 x 18 Zoll an.
Damit bleibt die 690 RALLY bei den klassischen Dimensionen einer ernsthaften Enduro.
KTM nennt für verschiedene Märkte unterschiedliche Serienbereifungen; auf der britischen Modellseite werden beispielsweise Continental TKC 80 angegeben. Die konkrete deutsche Serienausstattung sollte deshalb vor Veröffentlichung beziehungsweise Verkauf noch anhand der deutschen Fahrzeugkonfiguration geprüft werden.
Brembo-Bremse mit Offroad-Fokus
Gebremst wird vorne über eine 300-mm-Scheibe mit Brembo-Zweikolben-Schwimmsattel, hinten arbeitet eine 240-mm-Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel.
Die Dimensionierung zeigt ebenfalls, dass KTM keine verkleidete Straßenmaschine bauen wollte. Eine riesige Doppelscheibenanlage würde zusätzliche ungefederte Masse bedeuten und wäre für den vorgesehenen Einsatz nicht zwingend von Vorteil.
Die 300-mm-Einzelscheibe soll deshalb Straßenbremsleistung und kontrollierbare Dosierung auf losem Untergrund miteinander verbinden.
Rahmen, Geometrie und Gewicht
Als Basis dient ein pulverbeschichteter Chrom-Molybdän-Stahl-Gitterrohrrahmen. Das Heckrahmenkonzept wird durch den selbsttragenden Kunststofftank gebildet.
Der Radstand liegt bei 1.506 mm, der Nachlauf bei 121 mm, der Steuerkopfwinkel bei 62,3 Grad. Die Bodenfreiheit beträgt satte 265 mm.
Die Sitzhöhe liegt bei 935 mm.
Das macht bereits auf dem Papier deutlich: Die KTM 690 RALLY wurde nicht für möglichst bequemes Aufsteigen vor dem Eiscafé entwickelt. Der Fahrer sitzt beziehungsweise steht hoch, bekommt viel Bodenfreiheit und entsprechend lange Federwege.
Mit 161,5 Kilogramm ohne Kraftstoff bleibt die 690 RALLY für ein Motorrad mit 20-Liter-Tanksystem, Rally Tower, Verkleidung und umfangreicher Straßenausstattung bemerkenswert kompakt.
KTM 690 RALLY 2027 – technische Daten
| KTM 690 RALLY 2027 | |
|---|---|
| Motor | 1-Zylinder, 4-Takt, flüssigkeitsgekühlt |
| Hubraum | 692,7 cm³ |
| Leistung | 79 PS |
| Drehmoment | 73 Nm |
| Getriebe | 6-Gang |
| Motorsteuerung | Keihin EMS, Ride-by-Wire, Doppelzündung |
| Tankvolumen | ca. 20 Liter |
| Rahmen | Chrom-Molybdän-Stahl-Gitterrohrrahmen |
| Gabel | WP XPLOR USD, Ø 48 mm |
| Federweg vorne | 265 mm |
| Federweg hinten | 250 mm |
| Bremse vorne | Brembo, 300 mm |
| Bremse hinten | Brembo, 240 mm |
| Vorderrad | 21 Zoll |
| Hinterrad | 18 Zoll |
| Sitzhöhe | 935 mm |
| Bodenfreiheit | 265 mm |
| Radstand | 1.506 mm |
| Gewicht ohne Kraftstoff | 161,5 kg |
Alle Werte nach aktuellen KTM-Herstellerangaben.
Wie stark unterscheidet sie sich von der 690 Enduro R?
Das ist wahrscheinlich die spannendste Frage.
Denn technisch teilt die RALLY viel mit der aktuellen 690 ENDURO R. Motorleistung, Drehmoment, Radstand, Sitzhöhe, Bodenfreiheit und die grundlegenden Fahrwerksdimensionen sind sehr ähnlich beziehungsweise identisch.
Der entscheidende Unterschied ist das Gesamtpaket.
KTM gibt für die 690 ENDURO R 152 kg ohne Kraftstoff und 13,3 Liter Tankvolumen an. Bei der RALLY stehen 161,5 kg und 20 Liter im Datenblatt. Die zusätzlichen rund 9,5 Kilogramm gehen also mit deutlich mehr Kraftstoffkapazität, Rally Tower, Verkleidung und der zusätzlichen Hardware einher.
Und genau hier liegt der Reiz des neuen Modells: Viele 690-Enduro-Fahrer haben ihre Motorräder bislang mit Fronttanks, Windschild, Navigationstower und Rally-Verkleidung selbst umgebaut.
Die KTM 690 RALLY liefert dieses Konzept jetzt direkt ab Werk.
Kein Motorrad für jeden – und genau das ist gut so
Die 2027 KTM 690 RALLY ist keine kleine 890 ADVENTURE und auch keine komfortorientierte Reiseenduro.
935 mm Sitzhöhe, 21/18-Zoll-Räder, lange Federwege und die sehr klare Offroad-Ergonomie machen deutlich, an wen sich das Motorrad richtet: erfahrene Fahrer, die große Distanzen tatsächlich abseits befestigter Straßen zurücklegen wollen.
Dafür bekommt man eine Kombination, die lange im KTM-Programm gefehlt hat: deutlich leichter und fokussierter als eine klassische große Adventure, aber ab Werk wesentlich langstreckentauglicher als eine normale Enduro.
Oder einfacher gesagt: Wer bisher eine 690 ENDURO R gekauft und anschließend angefangen hätte, Rally Tower, Tanks und weitere Rally-Hardware nachzurüsten, sollte sich die neue 690 RALLY sehr genau ansehen.
Stark limitiert – Interessenten sollten früh dran sein
Die Produktion der KTM 690 RALLY 2027 startet laut KTM im September 2026 im österreichischen Werk, die ersten Motorräder sollen ab Oktober 2026 bei autorisierten KTM-Händlern eintreffen.
Das Modell ist nach unseren Informationen nur stark begrenzt verfügbar. Eine konkrete weltweite Stückzahl hat KTM in den aktuell öffentlich verfügbaren Herstellerinformationen allerdings nicht veröffentlicht.
Wer ernsthaft Interesse an einer KTM 690 RALLY 2027 hat, sollte deshalb nicht darauf warten, bis irgendwann die ersten Fahrzeuge frei im Showroom stehen.
Sprich uns direkt an. Wir klären für dich die aktuelle Verfügbarkeit und ob wir noch ein Fahrzeug für dich sichern können.




